Die Redaktion der Zukunft – 14. European Newspaper Congress

Veröffentlicht am: 24.04.2013

Beim 14. European Newspaper Congress vom 5. bis 7. Mai 2013 in Wien diskutieren rund 500 Chefredakteure und Medienmanager über die Zukunft ihrer Branche. Thema sind dabei nicht nur die zunehmende Migration großer Blätter ins Web, sondern auch die Entwicklungen der Redaktionen selbst. Zudem werden anhand zahlreicher Case Studies die auffälligsten Trends der letzten Jahre veranschaulicht.

 

Zum Auftakt des größten Zeitungskongresses Europas berichtet Medienforscherin Emily Bell über die aktuelle Entwicklung in den USA. Dass dort zur Zeit kein Stein auf dem anderen bleibt, und selbst renommierte Blätter, um ihr Überleben zu sichern, neue Geschäftsmodelle finden müssen, ist kein Geheimnis. „Das Internet zerstört definitiv das klassische Mediengeschäft. Eine Überlebenschance hat nur, wer sich spezialisiert“, analysiert Emily Bell. Diese Entwicklung wird im besten Fall zu einer anderen Medien-Industrie führen, als wir sie heute kennen. Im schlechtesten Fall steht ein Massensterben der klassischen Medien bevor. „Vermutlich werden wir beides sehen, und bevor es im Journalismus besser wird, wird es noch schlechter, mitunter noch deutlich schlechter“, so Bell. In Wien werden Chefredakteure und Verleger aus ganz Europa präsentieren, wie sie mit neuen Ansätzen gegensteuern wollen. Die norwegische „ØB“ hat 2012 die Erscheinungsweise reduziert und ein neues redaktionelles Konzept eingeführt. Allerdings hat die Zeitung heute vollkommen andere Leser als noch vor einem Jahr.

 

Sonntagszeitung auf dem Tablet

Während zuletzt vor allem Schweizer Zeitungen mit eigenen Sonntags-Zeitungen gestartet sind, schließt die „Salzburger Nachrichten“ mit einer eigenen App die bisherige Erscheinungslücke. Noch ist die App gratis, an einem Abo-Modell wird aber bereits gearbeitet. Maximilian Dasch und Thomas Hofbauer werden über ihre Pläne und Erfahrungen berichten und Auskunft darüber geben, wie die App die gedruckte Zeitung ergänzt und welche Bedeutung sie im digitalen Portfolio des Verlagshauses hat. Außerdem werden sie den Redaktions-Workflow vorstellen und über ihre Beobachtungen zur Nutzung der App sprechen. Welche Erfahrungen Medien mit ihren Tablet-Angeboten machen, werden auch die Macher von „Spiegel“, „SZ-Magazin“ und „Kronen Zeitung“ diskutieren. Deutlich scheint aus den Entwicklungen hervorzugehen, dass Zeitungen nicht umhin kommen auch ihr virtuelles Angebot zu überdenken. Norbert Küpper, Gründer und Veranstalter der European Newspaper Awards, wird die Reaktionen Europas führender Zeitungen analysieren. Er macht drei wesentliche Strategien aus: Geschichten werden vertieft und mit mehr Hintergrund präsentiert. Immer öfter wird eine ganze Seite einem einzelnen Thema gewidmet. Zudem werden Geschichten verstärkt in alternativen Storyformen erzählt, etwa indem sie in Punkten untergliedert oder in eine Zeitschiene gesetzt werden. Einhergehend ist dies zudem mit einer stärkeren Visualisierung. Kombinationen aus Foto, Infografik und Text werden über zwei bis acht Seiten geführt.

 

Mikrokosmos Redaktion

Diese Trends haben natürlich auch Einfluss auf die Redaktionen. Manager stehen unter Sparzwang, Journalisten unter Zeitdruck. Welche Rolle spielt der Kostenfaktor „Mensch“ in den Redaktionen und in der Berichterstattung? Eine Podiumsdiskussion mit Georg Bachler (Managementberater und ehemaliger Extrembergsteiger), Christine Brugger (Geschäftsführerin Radio Osttirol), Christian Lindner (Chefredakteur Rhein-Zeitung), geleitet von Elisabeth Wasserbauer (Geschäftsführerin der Österreichischen Medienakademie/Kuratorium für Journalistenausbildung), wird die Zukunftsfragen beleuchten, die den Mikrokosmos Redaktion betreffen. Die Diskutanten zeigen auf, wohin der Weg gehen kann, welche Mitarbeiter auf diesem Weg gebraucht werden, wie sie ausgebildet sein müssen und wie sie geführt werden sollten.

Parallel zum European Newspaper Congress wird in diesem Jahr erstmals „journalism reloaded" stattfinden. Bei diesem internationalen Weiterbildungskongress werden Konzepte für die künftige Weiterbildung von Journalisten erarbeitet und vorgestellt. Veranstalter ist das Kuratorium für Journalistenausbildung.

 

Info

European Newspaper Congress 2013

05. - 7. Mai 2013

Rathaus Wien

Preis: 540 Euro

www.newspaper-congress.eu

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Kommentar

No risk – no fun

Es tut sich einiges in der Druck- und Verpackungs- industrie in Österreich in Bezug auf neue Investitionen und Vor- reiterdenken. So gab es in den letzten Wochen eine ganze Reihe interessanter Installationen, die durchwegs zeigen, dass nicht mehr ausschließlich in Maschinen, sondern in Prozesse und Konzepte investiert wird.

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